Enthalpiewärmetauscher

Enthalpiewärmetauscher?! Gegenstromwärmetauscher? Was ist denn das? Ein “kleines” Bauteil das einen deutlichen Unterschied im Wohnraumklima schafft. Im Beitrag kontrollierte Wohnraumlüftung hatte ich die Vor- und Nachteile der Anlage gegenüber gestellt. Dabei ist vielleicht aufgefallen, dass das Thema Luftfeuchtigkeit auf beiden Seiten auftaucht.

Dazu muss man kurz ausholen: die frische Zuluft wird durch den Gegenstromwärmtauscher an der warmen Abluft vorbeigeführt. Dadurch geht ein Teil der Wärme in die Zuluft über. Die Abluft wird danach hinausgeblasen. Dies funtioniert im Sommerhalbjahr auch soweit super. Im Winter kommt aber ein physikalisches Verhalten zum tragen, dessen Auswirkungen vermutlich jeder kennt: die relative Luftfeuchtigkeit. Der Wert der relativen Luftfeuchtigkeit gibt an, wieviel Wasserdampf die Luft aufnehmen kann. Hierbei gilt es zu beachten, das warme Luft deutlich mehr Wasserdampf aufnehmen kann als die Kalte. So bedeutet 100% Luftfeuchtigkeit bei 22°C ca. 20g Wasser pro Kubikmeter Luft, während die gleiche Menge Luft bei -10°C nur 2g Wasser speichern kann. Im Winter passiert dann folgendes: die warme Heizungsluft nimmt die Feuchtigkeit im Haus auf. Beim Lüfter vermischt sich nun die kalte Luft mit 2g mit der warmen Luft mit 20g. Nachdem das Fenster wieder geschlossen wird, ist die Luftfeuchtigkeit deutlich gefallen. Hinzu kommt, dass die Heizungsluft grundsätzlich mehr Wasser aufnehmen kann und so der angenehme Bereich von 40%-60% rel. Luftfeuchtigkeit eine höhere Menge Wasser benötigt.

Der Gegenstromwärmetauscher tut im Winter nun nichts anderes als kalte Luft ansaugen, erwärmen und die Warmluft hinausblasen. Dabei wird aber nur die Wärme getauscht. Die Luftfeuchtigkeit der warmen Raumluft wird entweder hinausgeblasen oder als Kondensat abgeleitet. Die Folge davon ist, dass man im Winter eine extrem trockene Raumluft bekommt. Wir hatten teilweise 20% rel. Luftfeuchtigkeit. Man spürt die trockene Haut und gereizten Schleimhäute. Um die Luftfeuchtigkeit zu steigern, laufen in vielen Haushalten Luftbefeuchter oder man hängt die Wäsche im Wohnraum auf. Das bringt aber nur kurzfristig etwas, da die Wohnraumlüftung kontinuierlich die feuchte Luft absaugt.

Eine Verbesserung der Problematik bringt ein sogenannter Enthalpiewärmetauscher. Hierbei wird nicht nur die Wärme ausgetauscht, sondern auch ein Teil der Luftfeuchtigkeit. Eine Polymerschicht trennt die beiden Luftströme voneinander. Im Zuge des Vorbeiströmens kann ein Teil des Wasserdampfes per Diffusion durch die Polymerfolie von der Abluft in die Zuluft wandern.

Durch den Tausch des Wärmetauschers konnten wir die Luftfeuchtigkeit um ca. 15% erhöhen. Nicht viel für den beträchtlichen Preis von etwas Kunststoff, aber eine deutliche Verbesserung des Raumklimas. Sollte ein Standardpunkt im Bemusterungsgespräch werden.

Der Einbau des Enthalpiewärmetauschers

Der Einbau ist kein Hexenwerk und kann von jedem bewerkstelligt werden, der einen Schraubendreher benutzen kann. Dem Tauscher liegt auch noch einmal eine Anleitung von Viessmann bei. Es gibt jedoch eine klare Empfehlung von Viessmann. Es wird dringend ein Kugelsiphon oder Trockensiphon empfohlen. Ich hatte den Punkt schon einmal unter dem Thema Kondensatablauf beschrieben. Durch die Wirkungsweise des Enthalpietauschers entsteht weniger Kondenswasser, wodurch der Kondensatablauf im Sommer austrocknen kann. Hier zieht die Anlage dann Luft aus dem Siphon. Hier entstehen zum einen Geräusche und Gerüche. Da der Trockensiphon immer die saubere Lösung ist, sollte man von Anfang an auf diesen bestehen. Hat bei uns ja nicht so geklappt. Die Grenze zwischen Murks, billig gemacht und “nach den Allgemein anerkannten Regeln der Technik” ist fließend.

Zunächst muss man die seitliche Abdeckung von der Anlage entfernen. Dazu einfach in die schwarzen Vertiefungen fassen und den Deckel nach oben ziehen.

Deckel Vitovent 300-F

Danach löst man alle sechs Torx-Schrauben am Halteblech. Legt dieses zur Seite und zieht den Wärmetauscher einfach gerade heraus. Dann schiebt man den Enthalpiewärmetauscher wieder gerade hinein und schraubt das Blech wieder fest.

Halteblech Wärmetauscher

Zum Schluss den Deckel wieder aufsetzen und der mechanische Austausch ist erledigt.

Frostgrenze einstellen

Nachdem man den Wärmetauscher gewechselt hat, muss der Anlage mitteilen, dass ein anderer Tauscher installiert ist. Der Frostgrenze des Enthalpiewärmetauschers, liegt bei -6°C, während der Gegenstromtauscher eine Frostgrenze von +1°C hat. Die Frostgrenze ist die Temperatur, bei der die Anlage abschaltet, um ein Einfrieren zu verhindern. Um dies zu vermeiden, wird die Fortlufttemperatur überwacht. Fällt sie unter die definierte Mindesfortlufttemperatur der Anlage, wird die Zulufttemperatur gedrosselt, bis ein Stillstand erreicht ist. Mit einem Vorheizregister (einem Heizstab in der Zuluft) kann diese Grenze verschoben werden. Trotzdem ist erkennbar, dass der Enthalpietauscher wesentlich später abschaltet. Man merkt bei sehr kalten Temperaturen immer noch einen Luftstrom an den Luftauslässen in den Wohnräumen.

Damit die Anlage nun weiß, dass ein Enthalpiewärmetauscher eingebaut ist, muss man dies im Menü der Heizungssteuerung einstellen. Dazu wechselt man in die Codieradresse (Anleitung dazu steht im Handbuch der Anlage) und wechselt dort auf das Register 7D2E (Typ Wärmeübertrager). Diesen Wert stellt man von 0 (Gegenstromtauscher) auf 1 (Enthalpiewärmetauscher) und schließt das Menü wieder.

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